007 jagt Lettmüller
Die Erteilung des Auftrages zur Personenfahndung durch die zwei Geschäftsführer war nur von mageren Informationen begleitet. Zu kurz war die Zeit seit dem Platzen des Skandals gewesen, als dass sich bis dahin jemand einen genaueren Überblick über Privatleben und Gewohnheiten des Gesuchten hätte verschaffen können. Es gab einen unterschriebenen Haftbefehl und eine Personenbeschreibung, die auf den breitbeinigen watschelnden Gang und auf die gewichtige Statur Lettmüllers hinwies – er brachte mindestens 140 Kilogramm auf die Waage. Noch am selben Abend wurden per Funk die Mitarbeiter der Agentur ausgeschickt. Adressen wurden erhoben und observiert, die Nachforschungen konzentrierten sich auf die mutmaßlichen Aufenthaltsorte in Wien, Perchtoldsdorf, Schäffern in der Steiermark und Punitz im Burgenland. Ein Tipp aus der Traberszene brachte einen ersten Hinweis auf ein Gestüt im Salzburger Pongau, das angeblich Lettmüller gehören solle und von einem Mann namens Bürgler oder so ähnlich geleitet werde.
Auf diese schwache Spur wurde der Detektiv Heinz Edinger angesetzt, der auch prompt nachts in den Pongau fuhr und dort Stellung bezog. Wenn der Zufall und das Glück hold sind, dann ist wie in der Lotterie alles möglich. In der kleinen Ortschaft Goldegg vor dem Gasthaus „Zum Bierführer“ hielt Edinger seinen Wagen an, um eine Pause einzulegen. Er sah nach 1 Uhr morgens zwei Männer den Gasthof betreten, von denen einer die in der Personenbeschreibung angegebene auffallend gewichte Erscheinung hatte. Das konnte Lettmüller sein – nein, das musste er sein! Edinger verließ sein Fahrzeug und betrat den Gasthof, wo er sich Gewissheit verschaffte, dass der dicke Mann in diesem Haus ein Zimmer hatte, wo er offenbar den Rest der Nacht zu verbringen gedachte.
